Verpackungsindustrie

Robuster Markt in der Schwächephase.

17,1 Mio. t

Produktion 2024 (−2,4 %)

37,1 Mrd. €

Produktionswert 2024 (−4,1 %)

47,5 %

Mengenanteil Papier, Karton & Pappe

44,6 %

Wertanteil Kunststoffverpackungen

MARKTÜBERSICHT

Unverzichtbar – aber kein Selbstläufer

Die Branche ist weniger krisenanfällig als viele andere Industriezweige, aber stark von Konsum, Industrieproduktion und Exportentwicklung abhängig. 2024 produzierte die Branche rund 17,1 Mio. Tonnen Verpackungen. Die Produktionsmenge sank um 2,4 %, der Produktionswert um 4,1 % auf rund 37,1 Mrd. Euro.

Die Entwicklung fällt je nach Material unterschiedlich aus. Kunststoff- und Aluminiumverpackungen verzeichneten 2024 leichte Mengenzuwächse. Papier-, Karton-, Glas- und Stahlverpackungen verloren dagegen an Volumen. Das widerspricht der verbreiteten Annahme, papierbasierte Lösungen würden automatisch und flächendeckend von der Substitution von Kunststoff profitieren.

Gleichzeitig verändert sich der Markt strukturell. Die europäische Verpackungsverordnung PPWR erhöht die Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Materialeinsatz, Rezyklatanteile und Dokumentation. Nachhaltigkeit entwickelt sich damit von einem Marketingthema zu einer verbindlichen Produkt- und Investitionsanforderung.

Die Ertragslage bleibt anspruchsvoll. Hohe Energie-, Material- und Personalkosten treffen auf eine starke Einkaufsmacht großer Markenartikler und Handelsunternehmen. Dies erhöht den Konsolidierungsdruck, insbesondere bei kleineren, wenig spezialisierten Herstellern.

Fazit:

Die Verpackungsindustrie wächst nicht auf Autopilot, bleibt aber strategisch attraktiv: Erfolgreich ist, wer Regulatorik beherrscht, effizient produziert und sich klar spezialisiert, denn stabil sind vor allem Pharma-, Lebensmittel- und Spezialverpackungen, nicht austauschbare Standardprodukte.

FOKUS

Verpackungsdruck

Die deutsche Verpackungsdruckindustrie gehört zu den vergleichsweise stabilen Bereichen der Druckbranche. Ihre Nachfrage ist eng mit dem Konsum von Lebensmitteln, Pharmazeutika, Kosmetik und industriellen Gütern verbunden und daher weniger stark von der Digitalisierung betroffen als der klassische Akzidenz- und Publikationsdruck.

Der Markt umfasst Faltschachteln, flexible Verpackungen, Wellpappe, Etiketten und weitere Spezialanwendungen. Besonders widerstandsfähig zeigen sich Lebensmittel-, Pharma- und Healthcare-Verpackungen sowie hochwertige Etiketten. Die deutsche Faltschachtelindustrie produziert allein rund 943.000 Tonnen mit einem Produktionswert von etwa 2,2 Mrd. Euro. Gleichzeitig entfallen inzwischen rund 67 % der deutschen Papier- und Kartonproduktion auf Verpackungszwecke.

Technologisch gewinnen Automatisierung, digitale Druckverfahren, Inline-Qualitätskontrolle und durchgängige Produktionsdaten an Bedeutung. Der Digitaldruck wächst insbesondere bei kleinen Losgrößen, häufigen Sortenwechseln, Personalisierung und kurzen Markteinführungszeiten.

Fazit:

Der Verpackungsdruck ist attraktiv, aber anspruchsvoll: Erfolg entsteht nicht allein durch moderne Maschinen, sondern durch hohe Produktivität, regulatorische Kompetenz, schnelle Produktentwicklung und enge Einbindung in die Lieferketten der Kunden.

Management-Briefing · Auszug

„Etikettendruck"

Etiketten bleiben als Informationsträger, Identifikationsmerkmal und Bestandteil der Verpackung unverzichtbar. Die Herausforderung liegt vielmehr in einer Kombination aus moderatem Mengenwachstum, steigender Variantenvielfalt, kürzeren Auflagen, zunehmendem Preis- und Produktivitätsdruck sowie höheren Anforderungen an Technologie, Nachhaltigkeit und Regulatorik.

Nach FINAT erreichte der Verbrauch selbstklebender Etikettenmaterialien in Europa 2025 rund 7,37 Mrd. m² und damit ein Plus von etwa 2 % gegenüber dem Vorjahr. 40 % der befragten Converter sehen Digitalisierung und Automatisierung als wichtigsten Erfolgsfaktor für die kommenden drei Jahre.

Thema Bedeutung für Etikettendrucker Lösungen für das Top-Management
Begrenztes Volumenwachstum
BedeutungDer europäische Etikettenmarkt wächst wieder, allerdings moderat. 2025 stieg der Verbrauch selbstklebender Etikettenmaterialien um rund 2 %, liegt damit aber weiterhin ungefähr auf dem Niveau vor der Pandemie.
Lösung für das Top-ManagementNicht auf allgemeines Marktwachstum setzen. Anwendungsfelder, Kundensegmente und regionale Märkte gezielt auf Wachstum und Ergebnisattraktivität prüfen.
Preis- und Margendruck
BedeutungGroße FMCG-, Food-, Pharma-, Chemie- und Industriekunden bündeln Mengen, schreiben Leistungen aus und professionalisieren ihre Beschaffung. Gleichzeitig belasten Material-, Energie- und Personalkosten die Kalkulation.
Lösung für das Top-ManagementNicht Umsatz oder Laufmeter, sondern Rohertrag und Ergebnis je Kunde, Auftrag, Material und Maschinenstunde steuern. Preisdurchsetzung und Komplexitätskosten konsequent berücksichtigen.
Kleinere Auflagen und SKU-Explosion
BedeutungMehr Produktvarianten, Aktionsetiketten, unterschiedliche Sprachen, regionale Versionen und kürzere Produktlebenszyklen führen zu mehr Aufträgen bei geringeren Mengen pro Auftrag.
Lösung für das Top-ManagementAuftragsportfolio nach Auflagenhöhe, Wiederholhäufigkeit, Rüstaufwand und Ergebnis clustern. Produktionsregeln definieren: Welcher Auftrag gehört auf welche Technologie?
Technologiewandel: Flexo, Digital und Hybrid
BedeutungFlexodruck bleibt für viele Anwendungen wirtschaftlich, gleichzeitig verschiebt der Digitaldruck den Break-even immer weiter in höhere Auflagenbereiche. Eine falsche technologische Zuordnung verursacht unnötige Rüstzeit, Makulatur und Kosten.
Lösung für das Top-ManagementMaschinen- und Technologiemix konsequent an der tatsächlichen Auftragsstruktur ausrichten. Investitionsentscheidungen aus Kundendaten und Auftragsdaten statt aus technischen Leistungsdaten ableiten.
Automatisierungsdruck
BedeutungViele kurze Aufträge können administrativ mehr Kosten verursachen als produktionstechnisch. Kalkulation, Auftragsanlage, Druckdatenprüfung, Planung, Materialdisposition und Nachkalkulation werden damit selbst zum Produktivitätsfaktor.
Lösung für das Top-ManagementAutomatisierung vor Geschwindigkeit. Schnittstellen, MIS/ERP, Workflow, Prepress und Produktionsplanung durchgängig gestalten und manuelle Eingriffe systematisch reduzieren.
PPWR und Recyclingfähigkeit
BedeutungMit der seit 12. August 2026 grundsätzlich geltenden PPWR werden Etiketten regulatorisch noch stärker Bestandteil des Verpackungssystems. Künftig entscheidet damit auch die Kombination aus Behälter, Etikettenmaterial, Klebstoff, Farbe und Veredelung über die Recyclingfähigkeit.
Lösung für das Top-ManagementRegulatorik in Materialstrategie und Produktentwicklung integrieren. Kunden aktiv bei recyclinggerechten Labelkonstruktionen beraten.

Management-Briefing · Auszug

„Faltschachteldruck"

Verpackungen bleiben notwendig. Die Herausforderung liegt vielmehr in einer Kombination aus rückläufigem Marktvolumen in Deutschland, Produktionsverlagerungen nach Osteuropa, hohem Preis- und Produktivitätsdruck, steigender Variantenvielfalt sowie deutlich wachsenden regulatorischen Anforderungen.

Nach Angaben des FFI sank die Produktionsmenge der deutschen Faltschachtel-Industrie 2025 nochmals um 2,5 % auf rund 776.000 Tonnen. Gegenüber 2022 hat der deutsche Markt damit rund 18 % seines Produktionsvolumens verloren. ECMA beziffert für Deutschland einen durchschnittlichen Rückgang von 3,7 % pro Jahr (2019–2024), während Polen im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 6,4 % pro Jahr wuchs.

Thema Bedeutung für Faltschachteldrucker Lösungen für das Top-Management
Rückläufiges Marktvolumen in Deutschland
BedeutungDie Nachfrage nach Faltschachteln hängt unmittelbar von den Absatzmengen der verpackenden Industrie ab. Konsumzurückhaltung und schwache industrielle Entwicklung wirken sich auf Food, Non-Food und weitere Konsumgütersegmente aus. Die deutsche Produktionsmenge ist seit 2022 deutlich zurückgegangen.
Lösung für das Top-ManagementMarkt- und Kundensegmente differenziert bewerten. Wachstumsfelder identifizieren und Kapazitäten nicht auf eine pauschale Markterholung ausrichten.
Produktionsverlagerung nach Osteuropa
BedeutungStandardisierte und transportfähige Volumenaufträge werden zunehmend europaweit vergeben. Niedrigere Faktor- und Personalkosten stärken insbesondere Anbieter aus Zentral- und Osteuropa.
Lösung für das Top-ManagementKlare Positionierung: Welche Aufträge können wir im europäischen Kostenwettbewerb gewinnen – und wo müssen Service, Qualität, Geschwindigkeit, Entwicklung oder Veredelung den Preisunterschied rechtfertigen?
Preis- und Margendruck
BedeutungGroße Markenartikler, Pharmaunternehmen und Lebensmittelhersteller verfügen über professionelle Einkaufsorganisationen. Gleichzeitig bleiben Papier, Personal, Energie und Investitionen wesentliche Kostenblöcke. Hohe Maschinenproduktivität allein schützt nicht vor unprofitablen Aufträgen.
Lösung für das Top-ManagementNicht Umsatz und Tonnen steuern, sondern Rohertrag, Ergebnisbeitrag und Maschinenstunden je Kunde, Produkt und Auftrag. Preisuntergrenzen und Zuschläge für Komplexität transparent machen.
Kleinere Losgrößen und steigende Variantenvielfalt
BedeutungMehr SKUs, regionale Versionen, häufigere Designwechsel, Promotionaktionen und kürzere Produktlebenszyklen erhöhen die Zahl der Aufträge – häufig bei sinkender Stückzahl je Auftrag. Damit steigen Rüstaufwand, Werkzeugwechsel, Freigaben und administrative Komplexität.
Lösung für das Top-ManagementAuftragsstruktur analysieren und nach wirtschaftlicher Fertigungslogik clustern. Rüstzeiten reduzieren, Sammelformen und Reihenfolgen optimieren sowie Digitaldruck dort einsetzen, wo die Gesamtkostenrechnung überzeugt.
PPWR, EUDR und zunehmende Regulatorik
BedeutungDie PPWR gilt grundsätzlich seit 12. August 2026. Unter anderem bestehen neue Dokumentations- und Konformitätsanforderungen; für Lebensmittelkontaktverpackungen gelten PFAS-Grenzwerte. Die EUDR greift für große und mittlere Marktteilnehmer ab 30. Dezember 2026. Hinzu kommen in Deutschland ab 1. Januar 2027 die neuen Vorschriften für Druckfarben auf Lebensmittelbedarfsgegenständen.
Lösung für das Top-ManagementCompliance nicht als Einzelprojekt behandeln. Verantwortlichkeiten, Materialdaten, Lieferantenerklärungen, technische Dokumentation und Kundenkommunikation in einen durchgängigen Prozess überführen.
Konsolidierung und strategische Positionierung
BedeutungSkaleneffekte gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig sank die Zahl der statistisch erfassten deutschen Faltschachtelunternehmen 2025 auf 99 Unternehmen. Größere Gruppen können Einkauf, Investitionen, Vertrieb und internationale Kundenbetreuung stärker bündeln.
Lösung für das Top-ManagementStrategische Position festlegen: wachsen, spezialisieren, internationalisieren, zukaufen, kooperieren oder Kapazitäten konsequent anpassen.

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